Kollegenschwein und Frauenfeind?

Geschwisterkinder kennen sicher dieses leicht asoziale Verhalten: eine frisch ergatterte Tafel Schokolade befindet sich in euren Händen und die kleinen Geschwister fordern unter vehementer Zuhilfenahme der elterlichen Autorität: „ Wir sollen doch immer teilen!“
Nicht auf den Kopf gefallen öffnet das dominante Geschwisterkind die Tafel, leckt einmal der Länge nach über die Schokolade und bietet mit verspäteter Großzügigkeit nun das Teilen an.

Ähnliches erleben wir derzeit rund um den NSU-Prozess, der in München vorbereitet wird. Nachdem zunächst durch einige Pannen (?) interkulturell relevante Medien ausgeschlossen waren, wich die Gerichtsbarkeit auf das Los-Verfahren aus. Nun erwischt es natürlich in aller Fairness Medien, die zuvor massive Kritik am Vergabeverfahren geübt haben und andere Medien kommen zum Zug.

Eine gute Ausgangslage für eine Stellvertreter-Diskussion.  Der Hohn und Spott, mit dem die Akkreditierung der Brigitte   einem zweiwöchentlich erscheinendes Frauenmagazin – begegenet wird, ruft sogleich die False-Flag-Operatoren auf den Schirm.

„Frauenfeindlichkeit“ wurde mir bereits vorgeworfen – demnächst dürfte „unkollegiales Verhalten“ und vermutlich etliches anderes hinzukommen.

Konzentriert euch auf das Wesentliche

In der neuen Diskussion um die Platzvergabe geht es mir einzig und allein darum, in wie weit die nun akkreditierten Redaktionen ihrer Aufgabe gerecht werden, den Prozess um eines der peinlichsten Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte abzubilden und kompetent zu begleiten.

In meinen Augen kann dies nur durch eine tagesaktuelle Berichterstattung in überregionalen Medien geschehen – und das sollte der erklärte Standard für alle teilnehmenden Medien über die gesamte Prozessdauer sein.

Medien, die dazu nicht in der Lage oder nicht willens sind, die Inhalte im Web- und via Social Media zur Verfügung zu stellen haben – für mich – in diesem Prozess nichts verloren.

No offense, Kollegen – hier geht es um mehr!

Wie ein Kollege bereits mehrfach anmerkte sind in der Vergangenheit z.B. beim RAF-Prozess deutlich andere Maßnahmen betrieben worden, um Öffentlichkeit herzustellen.
Unlimitierte, freie Berichterstattung gibt es bei rechten Themen in diesem Land offenbar nicht .  Bitter, aber bezeichnend für eine Gesellschaft, die einen Rechtsruck deutlich besser verkraftet und auf Panikmache rund um religiöse Fanatiker empfindlicher reagiert, als auf Gewalt von rechts.

Veröffentlicht unter Bundespolitik, Kommentar, Medienkritik | Verschlagwortet mit , , , , | 7 Kommentare

… wenn es nicht mehr anders geht.

Am 4. Juni beginnt meine Therapie im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin. Es gibt Dinge aus meiner Vergangenheit, die ich dringend aufarbeiten muss. Der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein.
Meine Bachelorarbeit, die ich seit 1. März bearbeiten sollte ist vorerst ausgesetzt. Grund dafür ist u.a., dass ich momentan Konzentrationsprobleme habe, mich dem gesetzten Thema nicht geordnet und vor allen Dingen dauerhaft widmen kann.
Im persönlichen Gespräch kritisierte mich der Dozent, dass meine Webaktivitäten dazu ja im Widerspruch stehen würden: „Wir sehen ja, sie sind sehr aktiv im Netz.“
Ob Aktivität mit Leistungsfähigkeit gleichzusetzen sind weiß ich nicht.
All das sollte mir Angst machen – aber das tut es nicht. Auch ein Grund dafür in Therapie zu gehen.
Was mich im Moment stabilisiert ist die tägliche Mitarbeit in der Redaktion. Diese werde ich schon deshalb nicht einstellen, weil es mir das Gefühl gibt, wenigstens in diesem Bereich noch normal zu funktionieren.
Das Netz ist für mich momentan der einzige Sozialkontakt. Schon allein deshalb werde ich weiterhin an Diskussionen – in welcher Weise auch immer – teilhaben.
Was ich im Moment für mich brauche ist die Auseinandersetzung mit den Themen PTBS und Bundeswehr. Daran schließen sich eine Menge Themenfelder an. Meine Bachelorarbeit darüber zu schreiben läge nahe – ein von mir angefragter Themenwechsel auf ein anderes, naheliegendes Thema wurde nicht befürwortet.
Wie lange ich diesen Eiertanz noch mitmache, weiß ich nicht. Wer Probleme mit der gerade angezeigten Vorgehensweise hat, möge diese offen Ansprechen – aber nicht hinter meinem Rücken intrigieren.
Ich bedanke mich bei denjenigen, die mich bisher unterstützen. Dazu zählt auch die eingeräumte Möglichkeit, wie ich die Studienleistungen doch noch erbringen und zu einem Berufsabschluss kommen kann.

Veröffentlicht unter In eigener Sache | Verschlagwortet mit , | 3 Kommentare

Bundeswehr: Die Armee auf dem Weg zum Staat im Staate ?

Was wählt ein Soldat eigentlich für eine für eine Partei?

“Auch wieder ein Beweis mehr, das kein Angehöriger der Bundeswehr auch nur im entferntesten daran denken könnte, SPD, Grüne oder Linke zu wählen!”

Ein Soldatenzitat, das Anlass zur Sorge gibt. Bei der Aufstellung der Bundeswehr nach dem zweiten Weltkrieg schritten alle Beteiligten mit größter Vorsicht zu Werke. So nah waren die Erfahrungen zweier Weltkriege und überhaupt wieder eine Armee zu haben war für weite Teile der Bevölkerung unvorstellbar. Die Konzeption der neuen Streitkräfte war mit großer Verantwortung verbunden.

So deutlich, wie nur möglich wurde das Leitbild vom Staatsbürger in Uniform gestaltet. Das Ziel: der Soldat sollte aus Einsicht und Überzeugung handeln, jedoch auf gar keinen Fall blinder Befehlsempfänger mehr sein. Nicht einer Person verbunden, nicht einer Partei – sondern einzig an den Zielen und dem Willen der Gesellschaft orientiert.
Auch das Parlament erhielt strenge Auflagen für den Einsatz der Armee.

Staatsbürger in Uniform pensioniert

Im Alter von nicht einmal 62 Jahren wird der Staatsbürger in Uniform nun sehr offenkundig pensioniert. Bedrückenderweise von dem Mann, dessen Vater entscheidend zu diesem Leitbild beigetragen hat: Thomas de Maizière

Hervorzuheben sind seine Einlassungen, die er anlässlich einer Rede vor der Clausewitz-Gesellschaft tätigte.

NDR-Beitrag vom 20.10.2012 – “Maulkorb? Soldatenkritik an Regierungspolitik nicht erwünscht

Im Kern fordert de Maizière ein, Soldaten sollen sich nur dann zur Tagespolitik äußern, wenn die Äußerungen der Linie des Verteidigungsministeriums entsprechen. Das klassische hierarchische Strukturen wenig Kritik dulden ist keine Neuigkeit – doch wie muss es um diese Armee bestellt sein, wenn dieses Thema von oben aus noch gesondert angesprochen werden muss?

Für Soldaten unwählbare Parteien

Bestimmte Parteien nicht zu wählen ist meist der Ausdruck davon, dass die eigenen Interessen nicht ausreichend repräsentiert sind. Sei es im Wahlprogramm oder aber durch das Abstimmungsverhalten der vergangene Legislaturperiode. Wie wählbar ist eine Partei für einen Soldaten,  als der ich mich immer noch fühle?

CDU & SPD

Wenig erstaunlich, aber mit seiner Maulkorbäußerung steht der amtierenden CDU-Minister für die generelle Linie, die ich in der Partei sehe.  Das ihn zuweilen der verteidigungspolitische Sprecher der SPD Rainer Arnold in Ansichten (teilweise) bestärkt wurde zuletzt anlässlich der “Gier-Vorwürfe” deutlich.
Hinzu kommt bei beiden Parteien der Gradmesser Afghanistan und deutsche Auslandseinsätze.

Unter der Regierungsverantwortung beider Parteien wurde die Bundeswehr kontinuierlich verkleinert. Zeitgleich stieg jedoch die Einsatzbelastung der Soldaten.  Für Soldaten sind die Auswirkungen deutlich spürbar.  Der Wehrbeauftragte mahnt im zweiten Jahr in Folge an, dass Familien und Beziehungen unter der Einsatzhäufigkeit leiden.

Wo sich Soldaten ohne stabile Beziehung und Familienbindung befinden, mag jeder für sich selbst beurteilen. Eine “breite öffentliche Debatte” zu fordern, kann da wenig dran ändern.

FDP & Grüne

Die Helfershelfer sind in ihrer Entscheidungsfreiheit als (mögliche) Koalitionspartner deutlich eingeschränkt. Was bringt es schon, sich mit dem dominierenden Partner auf einem Feld anzulegen, dem die Bevölkerung nur wenig Beachtung schenkt. Bestärkt wird diese Haltung dadurch, dass auch gegen eine breite gesellschaftliche Ablehnung des Auslandsengagements der Bundeswehr die Einsätze durchgesetzt werden können.

Die Linke & Die Piraten

So klar und deutlich die Ablehnung der Linken in Sachen Afghanistaneinsatz ist, so sehr mangelt es der Piraten-Partei an einer klaren Linie auf diesem Feld. “Gegen Afghanistaneinsatz” und “Gegen Bundeswehreinsätze im Inneren” zu sein, ist eine Sache – wo die Partei mit der Bundeswehr aber hin will, lassen zumindest die Piraten auf Bundespolitischer Ebene nicht eindeutig erkennen.

Auch seitens Der Linken vermisse ich Aussagen darüber, wie der Dienst in den Streitkräften gestaltet werden kann. Generell hat die Partei ob ihrer Anhängerschaft das Problem, sich für Soldaten einzusetzen. “Soldaten sind Mörder” ist der traditionellen Wählerschaft der Linken besser zu verkaufen, als ein differenzierter Blick auf den Soldaten selbst.

Nur all zu oft enden Gespräche mit bekennenden Wählern der Linken abrupt, wenn meine Soldatenvergangenheit ein Thema wird.

Bestandsaufnahme: Zustand kritisch

Unabhängige Untersuchungen über das Wahlverhalten der Soldaten oder eine konsequente Prüfung, ob Soldaten überhaupt noch wählen gibt es nicht.
Immer wieder höre ich aus Soldatenkreisen:

“Ich kenne viele, die im Einsatz waren und jetzt nicht mehr wählen.”

Die schweigende Mehrheit (?) 

Was passiert nun, wenn sich ein Soldat  der schweigenden Masse anschließt, anstatt zu wählen. Zunächst ist sein Verhalten ein Statement – was aber weitestgehend ungehört verhallt. Ausgiebig werden die Veränderungen von Prozentwerten bei den großen Parteien diskutiert - in einer kurzen Feststellung geht der Journalist dann auch auf die Wahlbeteiligung ein. Für mehr, als für Spekulationen taugt jedoch auch das nicht.

Mit der Wahlverweigerung stützen Soldaten jedoch genau das System, das jetzt schon wenig Rücksicht auf ihre Belange nimmt. Weder bei der Gestaltung des Dienstalltags, noch bei der Entsendung in Auslandseinsätze. Doch ist ein Soldat noch Staatsbürger im Sinne des Leitbildes, wenn er die Wahl verweigert?  Setzt Deutschland seine Armee damit überhaupt noch so ein, wie vom Grundgesetz vorgesehen – also als eine Armee der Bürger des Staates und nicht als “Fremdenlegion, bestehend aus Söldnern”?

Söldner gewünscht – Soldaten geduldet – Staatsbürger eher hinderlich

Es obliegt allen Parteien, die die Regierung stellen (wollen), sich auch um die Rahmenbedingungen des Dienstalltags zu kümmern. Stattdessen aber sehen sie dem Verteidigungsminister dabei zu, wie er aus Soldaten Söldner machen will. Sie nehmen hin, dass eine breite Bevölkerungsschicht die Auslandseinsätze der Bundeswehr ablehnt.  Aber warum sollten Sie auch – die Bundeswehr ist ja eine Parlamentsarmee. Was hat da der Staatsbürger schon zu melden?

Veröffentlicht unter Bundespolitik, Bundeswehr | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

… aber sie tun ja alle nur Ihre Pflicht!

Im Rahmen meiner Ausbildungsförderung muss ich regelmäßig den Erfolg meines Studiums mit Noten belegen. Seit Sommer 2010 weise ich nun darauf hin, dass Noten nicht immer dann vorliegen, wenn es das Karriere-Center der Bundeswehr gerne hätte.

Ein übereifriger Sachbearbeiter ignorierte 2010 sogar sämtliche Datenschutzbestimmungen, nahm das Telefon in die Hand und versetzte meine Frau in Angst und Schrecken, ob der noch nicht vorliegenden Noten.

Und wie in jedem Jahr tun auch 2013 die Sachbearbeiter ihre Pflicht und versenden denselben nutzlosen, falsch konzipierten und von mir semesterweise angemahnten Brief.

Nach den Erfahrungen der letzten Monate kann und will ich dem nur noch öffentlich begegnen.  Meine persönliche Betroffenheit kommt zum Ende des Schreibens noch zum Ausdruck, sei aber hier schon vorweg genommen:

Die Bundeswehr setzte sich einst zum Ziel Soldaten nach einem viermonatigem Einsatz mindestens zwanzig Monate im Inland zu belassen. Im Rahmen des Afghanistan-Engagements wich man zusehends von dieser Zielsetzung ab. Einsätze dauern nun vermehrt 6 Monate und länger – bei 4 monatigen Einsätzen ist eine Stehzeit von 9 Monaten im Inland schon fast als Gnade zu werten. In meinem Fall lag die längste Zeit zwischen 2 Einsatzbeorderungen zwischen 2005 und 2008 bei 11 Monaten.

Dies mag erklären, warum ich Fristsetzungen, wie sie mir heute wieder postalisch zugestellt wurden nur noch polemisch, ironisch oder je nach Lesart auch zynisch begegnen kann.

Glosse

Meine Reaktion:

Sehr geehrte Damen und Herren des “Karriere-Centers der Bundeswehr” in Augustdorf,

bereits unter ihrem alten Namen “Kreiswehrersatzamt – Berufsförderungsdienst” teilte ich ihnen mit, wie Hochschulrealität im Jahr 2010, 2011 und 2012 aussieht. Daran hat sich auch 2013 im Wesentlichen nichts geändert.

Der zelebrierte Optimierungswahn des Verteidigungsministers (in den Medien vielfach  auch als „Bundeswehrreform“ bezeichnet) hat sicherlich auch in ihrem Bereich dafür gesorgt, dass weniger Personal mehr Arbeit zu verrichten hat.

Im Kern trifft das auch auf die Situation an den Hochschulen zu.

So sieht es im Jahr 2013 so aus, wie ich ihnen dies bereits in den Jahren davor geschildert. Der Vollständigkeit halber hier also erneut die Darstellung:

1. Semesterende ist regelmäßig zum Ende des Semesters.

2. Semesterleistungen sind durch den Studenten regelmäßig bis zum Semesterende zu erbringen.

3. trotz des sicherlich vorhandenen Drangs, die Arbeit schnellst möglich zu erledigen, können die Dozenten der vom Karriere-Center gewünschten Frist nicht nachkommen, die Noten bis fünf Tage nach Ende des Semesters vergeben zu haben.

Gerade in einem geisteswissenschaftlichen Studium erfordert die Kontrolle der Arbeiten meist das lesen mehrerer Seiten Text. Die schiere Masse an Text und Studenten erfordert eine gewisse Bearbeitungszeit für die Dozenten. Das sorgt dafür, dass ich dem immer wieder auftauchenden Wunsch ihrer Organisation nicht nachkommen kann.

Nun wünscht das Karriere-Center der Bundeswehr meine Noten jedoch regelmäßig ordnungsgemäß bis zum 5. Arbeitstag nach Semesterende.

Im üblichen Amtsjargon weisen mich die Bearbeiter nun darauf hin, dass ich bis zur Nachfrist am  3. April den Leistungsnachweis zu erbringen habe und das selbstverständlich die Förderung einzustellen sei, wenn ich die Noten nicht rechtzeitig nachweise.

Verzwickte Sache!

Zuständigkeitshalber leite ich diese Mail nun an die Dozenten und die Sekretärin des Arbeitsbereiches weiter. Die arbeiten schon so schnell und intensiv, wie sie können. Es ergeben sich im weiteren drei Möglichkeiten:

Möglichkeit Nummer 1 – Ironische Auslegung : Anschiss

Lassen Sie den Laden doch einmal ordentlich stramm stehen! Schließlich gibt es ja eine Bundeswehr-Verwaltungs-Vorschrift, die besagt, dass zum 5. Tag nach Semesterende die Noten zu melden sind. Zumindest an das “Karrierecenter der Bundeswehr”.

Möglichkeit Nummer 2 – Realistische Handlungsempfehlung : Selbsterkenntnis

Möglicherweise ist die Verwaltungsvorschrift, die ihnen diese regelmäßig pünktlich zu versendeten Mahnschreiben abverlangt nicht mehr ganz zeitgemäß. Vorschriften sind sich der Geduld des Trägermediums Papier bewusst und räumen deshalb meist so etwas wie Ermessensspielraum ein.

Möglichkeit Nummer 3 - und die würde ich ihnen dringend anraten : Scham 

Eine nicht unerhebliche Anzahl von Soldaten wartete zum Jahreswechsel auf die Erstattung von Kosten aus den Monaten November, Dezember und später auch Januar. Diese Kosten mussten die Soldaten vorab z.B. als Reisekosten für Lehrgänge zahlen – je nach Finanzlage dürften schon Dispo-Zinsen angefallen sein oder es wurden zumindest anderweitig keine Zinseinnahmen mehr erzielt.

Vielen Soldaten bereitete das Sorge – sie wendeten sich an die einzig verfügbare Instanz, die oftmals, aber leider nicht immer erreicht, dass Ermessensspielräume im Sinne des Soldaten genutzt werden: der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages.

Ich gehe davon aus, dass Sie, liebe Bearbeiter des Karrierecenters, immer noch den ein oder anderen Fall haben, der noch nicht  – und schon gar nicht fristgerecht – bearbeitet wurde.

Wenn Sie also so unbedingt auf die Einhaltung von Fristen bestehen hätte ich da eine Frist für Sie: 14 Tage Bearbeitungsfrist für Trennungsgeld-Zahlungen ab Eingang beim Karriere-Center.

Mea Culpa? Im Leben nicht!

Sehen sie es mir nach, wenn ich die Dinge beim Namen nenne. Spätestens zum 31.08.2013 haben Sie es ja mit mir auch ausgestanden.
Ich werde ihnen sogar weitere Arbeit in meinem Fall ersparen und sie können es dann schon als Erfolg verbuchen, dass der Ex-Soldat Lücking den Bund nur 1/3 der maximalen Fördersumme gekostet hat.

Auch zu seinen aktiven Dienstzeiten holten Sie das Maximum aus dem Soldaten heraus – die in Anspruch genommene Fördersumme während der Dienstzeit lag nicht einmal annähernd im Bereich von 1/3 dessen, was einmal beworben wurde.

Dafür wurde ich drei Mal häufiger für Einsätze heran gezogen – Respekt! In einem zivilen Unternehmen hätte das sicher glatt eine Leistungsprämie für kosteneffizientes wirtschaften nach sich gezogen.

 

Veröffentlicht unter Bundespolitik, Bundeswehr, Glosse | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Leute, wir müssen reden.

Ich trage mich mit dem Gedanken, das Thema Veteranenpolitik und Bundeswehr komplett abzulegen.

Im Rahmen meines Studiums und der laufenden Berufsförderung konnte ich es mir noch erlauben, dieses Thema zu verfolgen – mit der auslaufenden Förderung muss ich leider davon ausgehen, dass ich damit nicht genügend Einnahmen erzielen kann und wohl nicht genügend Abnehmer finde. Hinzu kommt die eigene Betroffenheit.

Eure Meinung dazu ist mir wichtig – vielleicht gibt es auch Wege, die ich bis jetzt nicht sehe.

Vielen Dank für eure Unterstützung – eure Meinung ist mir wichtig.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Geplante Provokation und ein Rücktritt mal anders?

(weitgehend unredigierte Version – Fehlerhinweise bitte über die Kommentarfunktion
Update: redigierte Fassung ohne inhaltliche Änderung seit 23:30 online
Update 23.02.2013 : Beitrag um Kommentar ergänzt
Update 24.02.2013: Beitrag um Kommentar und Link zum NDR ergänzt )

Dass sich Shitstorms blitzartig im Netz ausbreiten, ist bekannt – auch die Bundeswehr hat daraus gelernt, als sich Karl Theodor zu Guttenberg der Netzgewalt, die zur detaillierten Analyse seiner Dissertation drängte, geschlagen geben musste. Letztendlich der Grund für seinen Rücktritt.

Der amtierende Minister scheint einen anderen Weg aus dem Amt zu nehmen – anders lassen sich seine wiederholt ungünstigen Äußerungen der letzten Tage kaum erklären.

Zunächst äußerte er sich zur Veteranendiskussion – ein drängendes Thema für viele ehemalige Soldaten. Auch zwanzig Jahre nach Beginn der Auslandseinsätze ist die Versorgung der Soldaten mit Einsatzschäden alles andere als angemessen. Fürsorge des Dienstherrn gilt auch nach der Dienstzeit – durfte aber wohl bisher in manchen Punkten vernachlässigt werden.

Thomas de Maizière machte deutlich, er wolle mit dem Thema nicht im Wahlkampf unterwegs sein. Ergo: die Debatte wird ausblendet. Nett, dass im Vornherein die Diskussionen auf diesem höchst kritischen Feld unterbunden werden sollen. Der Wähler – also auch die Veteranen – dürfen im Wahlkampf also weder Zusagen noch Absagen erwarten.

Anerkennung solle es für die Soldaten grundsätzlich geben. Im folgenden zitiert ihn die Neue Presse Hannover:

Er habe der Opposition aber zugesagt, “das Thema nicht im Wahlkampf zu missbrauchen”. Das Thema sei nichts, was man einer Gesellschaft überstülpen könne. “Es gibt keinen Big Bang für eine Veteranenpolitik. Das wird vor und nach der Bundestagswahl weiter betrieben.”

Muss die Bevölkerung also erwarten, dass Frau von der Leyen im Wahlkampf dann nicht über HARTZ4 diskutieren mag und Frau Aigner nicht mehr über Lebensmittelpanschereien? Herr Bundespräsident, bitte bewahren Sie uns vor diesem Wahlkampf, in dem Kritik von vornherein ausgeschlossen wird, und die Politik sich für die Zeit des Wahlkampfes offensichtlich von laufenden Projekten zurückziehen will.

Mit Zahlen ist es schon schwer

Im Laufe der Woche unterläuft de Maizière dann der „peinliche Zahlendreher“ - er gibt die geplante Truppenstärke für das Nachfolgemandat in Afghanistan falsch an.

Heute (23.02.) wird er in der Wirtschaftswoche mit diesem Zitat (für mich persönlich) als Verteidigungsminister unhaltbar:

“Sie [Anm.: die Soldaten] haben den verständlichen, aber oft übertriebenen Wunsch nach Wertschätzung. Sie sind vielleicht geradezu süchtig danach.”

Weiterlesen: http://www.wirtschaft.com/20130223-de-maizire-soldaten-sind-suechtig-nach-wertschaetzung-88422

Süchtig nach Anerkennung?

Eine Sucht nach Anerkennung verspüre ich als Veteran nicht. Symbolik ist für mich nebensächlich, denn die Versorgung der Einsatzveteranen  ist an viel zu vielen Stellen nachbesserungsbedürftig.
Diese Probleme haben Vorrang vor jeder Diskussion um Anerkennung und Symbolik.

Der Minister kündigt an, den Prozess um die Anerkennung von Einsatzschädigungen mit einem Gesetz ab 2015 schrittweise verbessern zu wollen.

Damit wird dann 23 Jahre nach Beginn der Einsätze allgemein und 14 Jahre nach Beginn des Afghanistan-Einsatzes begonnen. Neben dem Kosovo-Einsatz dürfte der Afghanistaneinsatz wohl mit Abstand die meisten Wehrdienstbeschädigungen, Verletzungen und Traumata nach sich ziehen.
Hier liegt ein Hauptgrund dafür, dass Veteranen nach Anerkennung und Verbesserung ihrer Situation rufen.

Verstoß gegen die Fürsorgepflicht?

Vor diesem Hintergrund – dies ist als Meinungsäußerung zu werten – sehe ich in dem Zitat und der Darstellung durch den Minister einen klaren Verstoß gegen § 31 Soldatengesetz – Fürsorge.

§ 31 SG – Fürsorge

(1) Der Bund hat im Rahmen des Dienst- und Treueverhältnisses für das Wohl des Berufssoldaten und des Soldaten auf Zeit sowie ihrer Familien, auch für die Zeit nach Beendigung des Dienstverhältnisses, zu sorgen.

Pauschalaussagen, wie sie der Minister traf, negieren und verschleiern in meinen Augen, dass die Soldaten unter Bedingungen Dienst leisten, die an der Grenze der Zumutbarkeit liegen.

Galt es ursprünglich als Leitlinie, einen Soldaten nach einem Auslandseinsatz mindestens 20 Monate im Inland zu belassen, belegt der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages in seinem aktuellen Jahresbericht, dass diese Regel ausgehöhlt wird.

Kritisiert wurde vielfach auch die Einsatzdauer. Nach wie vor gilt die Vorgabe beim Heer, eine Regeleinsatzzeit von vier Monaten außer in klar definierten Ausnahmefällen nicht zu überschreiten.

(Seite 16, Abschnitt 4.2 – aktueller Jahresbericht)

Die Einsatz-Realität schildert der Bericht im weiteren:

„Zu Überlastungen führte nicht nur die Einsatzdauer, sondern auch die Einsatzhäufigkeit….
Zu viele Einsatzkräfte mit Stehzeiten von sechs Monaten und mehr müssen in  immer kürzeren Abständen zu häufig in den Einsatz.“

Die Einsatzregelung „4 Monate Einsatz – 20 Monate Inlandsdienst“ soll gewährleisten, dass genügend Zeit für Regeneration sowie Aus- und Weiterbildung des einzelnen Soldaten zur Verfügung steht. Seit Jahren werden jedoch weite Teile der Armee weitaus stärker gefordert.

Am eigenen Beispiel

Diesen Missstand erfuhr ich als Teil einer offenkundig unterbesetzen Truppengattung bereits zwischen 2005 und 2008. Binnen 34 Monaten kamen rund 11 Monate in Afghanistan und auf Übungen der Nato Response Force 7 zusammen. Darüber hinaus unterlag ich sechs Monate der Rufbereitschaft NRF, die mich binnen kürzester Zeit an einen neu entstehenden Krisenherd dieser Welt hätte bringen können.
Hinzu kommen mindestens 2 Anfragen für das ISAF-Kontingent von März 2007 und Juli 2007.
Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen fanden allenfalls im Rahmen der Vorbereitung auf den nächsten Einsatz statt (ein 5 tägiges Seminar zum Thema interkulturelle Kompetenz bei der Deutschen Welle in Bonn).
Begonnene Berufsförderungsmaßnahmen musste ich teilweise aus Überlastung im privaten Bereich abbrechen. Die Geburt des zweiten Kindes kann schon zu so etwas führen.

Die Situation dürfte sich seither nicht wesentlich geändert haben, wie es sich im Wehrbeauftragtenbericht liest. Diesen Missstand werte ich als offenkundig.

Eleganter Abgang

Nach Aussage des Ministers soll nach Abschluss der Bundeswehrreform eine effizientere Truppe zur Verfügung stehen, die noch mehr Soldaten in den Einsatz bringt. Sinngemäß zitiere ich einen mittlerweile depublizierten Artikel von Stern.de aus 2011 mit welcher Zielsetzung die Bundeswehrreform stattfinden sollte:

„..künftig bis zu 10.000 Soldaten für Auslandseinsätze vor zu halten – 17 Prozent der Gesamtstärke der künftigen Armee wären danach jährlich mit der Aufgabe Auslandseinsatz befasst.“

Die Bundeswehr kann schon beim aktuell rund 15 % höheren Personalkörper die Einsätze nicht im Rahmen der eigenen Vorgabe „4 Monate Einsatz – 20 Monate Inlandsdienst“ ausführen.

Wie genial muss die Planung sein, wenn  nach der Reform noch einmal rund 30 % mehr Soldaten in die Einsätze gehen sollen, als die optimistisch ausgelegten 7000 im Moment?

Ein Minister, der angesichts der brisanten Personallage der Bundeswehr mit solchen Zitaten auffällt, will in meinen Augen nur eins: vom Amt zurücktreten müssen, bevor die Auswirkungen der Bundeswehrreform voll zum Tragen kommen.

Aber auch Sie, Herr de Maizière, werden selbstverständlich ein „weitgehend bestelltes Haus“ hinterlassen, wie das schon ihr Vorgänger tat.  Teil ihrer Abschlussrede dürfte dann sicherlich auch die Kritik an diesem bösen Internet sein, das zum Rücktritt beigetragen hat. Und kommt der Hinweis darauf nicht von Ihnen, dann von den getreuen Kollegen in bekannten Redaktionen.

Prognostizierte Auswirkungen für die Bundeswehr:
Neuer Minister – Neue Reform – keine Verbesserungen.

Prognostizierte Auswirkungen für mich als Autor des Artikels:
Anschuldigungen, mich unehrenhaft zu verhalten oder meiner Verschwiegenheitspflicht nach der Dienstzeit nicht gerecht zu werden.

Ergänzung: 24.02.2012 – 10:17 Uhr
Interessantes Fundstück aus den augengeradeaus-Kommentaren. Dort findet sich auch ein Hinweis, auf eine Rede von TdM aus 2012, die der NDR aufgegriffen hat.
Link zur NDR-Seite
Der Minister wünscht, dass sich die Soldaten an Debatten rund um die Bundeswehr nur dann beteiligen, wenn Sie sich im Sinne der Bundeswehrlinie äußern. Das Konzept Staatsbürger in Uniform beerdigt er damit offiziell.
Für die Bundeswehr sollte nun konsequent die Umbenennung in “Sicherheits-Unternehmen” erfolgen.

Ergänzung: 23:55 Uhr: 
Zur von TdM erteilten Absage an einen speziellen Gedenktag für Veteranen hinterließ ich folgenden Kommentar im Blog  von Thomas Wiegold augengeradeaus.net

Netter Schachzug – ein kontroverses Thema aus dem Wahlkampf heraus halten. Ich hoffe, das wird nicht von anderen großen Parteien so übernommen.

Das Thema Veteranen schiebt der Minister seit seiner Amtsübernahme vor sich her.

Als Gedenktag schlage ich den 14. Oktober. Laut Wikipedia-Eintrag fiel 1993 an diesem Tag der erste deutsche Soldat im Auslandseinsatz. Alternativ könnte ich mir auch den Beginn des Somalia-Einsatzes vorstellen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Todesf%C3%A4lle_bei_Auslandseins%C3%A4tzen_der_Bundeswehr

An die Kameraden aus den Zeiten des kalten Krieges:

Ich persönliche setzte mich dafür ein, nur Soldaten unter den Veteranenbegriff zu fassen, die im Auslandseinsatz waren. Und das aus praktischen Gründen.
Ich erlebe, dass die Kreiswehrersatzämter nicht wirklich Herr über ihren Datenbestand sind und das Informationen, die sich gezielt an Teilnehmer von Auslandseinsätzen richten ewig brauchen, falls sie überhaupt ankommen.

Am eigenen Beispiel

Fall Nr. 1:

2010 sendete im Oktober das Heeresführungskommando Koblenz ein Informationsschreiben zum Thema PTBS an die ehemaligen ISAF-Soldaten. Im Januar 2011 (!) erreichte mich dieses Schreiben dann.
Meine ehemalige Stammeinheit: in der selben Kaserne (Falckenstein), wie HFüKdo.
Mein damaliger Wohnort: Luftlinie 4 Kilometer entfernt.

Fall Nr. 2:

Wehrerfassung
Ich befinde mich in der Berufsförderung nach der Dienstzeit – monatlicher Schriftverkehr mit dem BFD und der jeweils aktuellen Adresse. Selbst der Umzug der Hauptwohnung wurde über die Bundeswehr als Abschlussumzug durchgeführt.
Ungefähr 6 Monate nach dem Umzug fiel auf, dass Reservisten-Angelegenheiten immer noch an die Koblenzer Adresse kommuniziert wurden – die Bearbeiter von BFD und Reservisten-Angelegenheiten sitzen in derselben Kaserne – wenn nicht sogar im selben Gebäude.

Fall Nr. 3:
2002 verschwand (!) nach vier Jahren Dienstzeit meine Gesundheitakte kurz G-Akte. Fälschlicherweise wurde die Akte an das Kreiswehrersatzamt gesendet – die Personalabteilung führte mich als entlassenen Soldaten, weil meine Weiterverpflichtung in die Offizierlaufbahn wohl mit anderen Unterlagen im Ablagekörbchen lag.
Der Sanitätsbereich und die S1-Abteilung haben es nicht geschafft, die an das Kreiswehrersatzamt versandte Akte wieder zurück zu holen.

Fazit:

Wir brauchen schon deswegen eine Veteranen-Erfassung oder einen Status, der sich auf Auslandeinsätze bezieht, um betroffene Kontingente zu ärztlichen Untersuchungen auffordern zu können.
Ich denke an Fälle, wie die Uran-Munition, die 2000 / 2001 während meines Kosovo-Einsatzes ein Thema war. Einsatz-Land-spezifische Krankheiten aus dem Afghanistaneinsatz sind mir bisher nicht bekannt, doch das Potential ist in diesem Land deutlich höher.

Den Veteranen-Status zu definieren ist eine Fürsorgepflicht der Bundeswehr – die Äußerungen von TdM zeigen mir: er wird dieser Aufgabe wohl auch während seiner Dienstzeit nicht gerecht werden.

Es geht bei der Veteranendiskussion nur am Rande um Anerkennung der Leistungen – im Bereich Fürsorge muss weitaus mehr nachgeholt werden.

Veröffentlicht unter Bundespolitik, Bundeswehr | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Das falsche Signal in einer richtigen Debatte

Sexismus sucks. Niemand, der bei Verstand ist möchte Opfer von sexistischen Äußerungen werden – auch, wenn ich scherzhaft als Single anmerkte: „Lieber belästigt werden, als gar kein Sexleben haben!“

Oh – Verzeihung, der ging zu weit. Selbstironie dieser Art werde ich mir künftig wohl besser sparen, denn sie sorgt für Lacher, stellt mich aber gleichzeitig als chauvinistisches Schwein hin, das sexuelle Belästigung gutheißt. Oder sehe ich das jetzt zu moral-apostolisch?

Also, bisher gab es immer Lacher, wenn ich derart selbstironisch mit anzüglichen Kommentaren unterwegs war. Und da ging es mir wohl so, wie Herrn Brüderle. Auch die Stern-Journalistin Himmelreich beschreibt, wie Brüderle mit Anzüglichkeiten und Zoten punktet. Bei den umstehenden Männern. Ob sich anwesende Frauen auch zu einem Grinsen haben hinreißen lassen? Das erwähnt sie in ihrem Artikel nicht.

Ein empörtes „Pfui“ muss aber schon sein – doch wann?

Ein Jahr unterwegs mit Brüderle – ein Jahr mit Anzüglichkeiten. Fein säuberlich gesammelt – und auch direkt als Aufmacher des Portraits für Brüderle verwendet.
Das eigentliche Thema „Populismus“ reißt die Kollegin nur kurz an. Denn auch beim Publikum kommen Schwarz-Weiß-Malerei, Schenkel-Klopfer und der leicht anzügliche Ton an. Wichtiger aber ist, das Portrait des Spitzenkandidaten dort zu belassen, wo es sich am nachteiligsten auf den FDP-Mann auswirkt: in der Hotelbar-Szene.

Im Netz sind wir weiter

Hangelt man sich bei Twitter am Hashtag #Aufschrei entlang, ist Brüderle auf einmal kein Thema mehr. Warum auch? Der Name ist beliebig austauschbar. Wie viele Politiker dieser Tage wohl aufatmen, dass ihre Wahlkampfreden zwischen Bierzeltgarnituren, auf Weinfesten oder auf den Podien der Republik nicht im Fokus der Aufmerksamkeit stehen? Den Brüderle musste es ja irgendwann erwischen.

Und so gut es ist, dass Sexismus nun diskutiert wird: es bleibt der üble Unterton, dass „Frau“ lieber erst einmal Anzüglichkeiten über sich ergehen lässt, um sie zu gegebener Zeit nutzbrin-”gender” gegen den Absender einzusetzen. Das nützt dann nicht nur ihr – sondern auch der Auflage des Blattes.

Welcher Chefredakteur ertappt sich nicht dabei, den Einsatz einer netten, adretten Redakteurin derart nutzbringend zu planen? Wenn der Herr „Politk-ER“ im Umfeld von Damen gesprächiger ist, warum also keine Frau schicken?
Wenn es in das Weltbild einer Frauenrechtlerin besser passt, dass eine Redakteurin interviewt, muss natürlich auch eine Frau berichten. Nicht zu vergessen: eine Kindergartenreportage kann Frau auch viel besser umsetzen. Zum Autorennen kann ja dann der Herr “Report-ER” gehen.

Butter bei die Fische!

Recht unschuldig äußerte sich der Chefredakteur des Stern, Thomas Osterkorn, man habe überhaupt nicht damit gerechnet, dass sich das Ganze so entwickeln würde.

Stimmt vermutlich, denn sonst hätte es in derselben Sternausgabe sicherlich einen Artikel über die Schattenseiten des Journalistenberufes gegeben.
Oder seine Redakteurin hätte schon vor Monaten mit ihm ein Gespräch gehabt, dass sie die Anzüglichkeiten als derart unangenehm empfunden hat und doch bitte ein Kollege Herrn Brüderle weiter begleiten möge.

Eine Kollegin demonstrierte heute eine weitaus nüchterne und in meinen Augen deutlich professionellere Sichtweise:

Sprüche und kleine Schmeicheleien bleiben da (Anm.: im Umgang mit Politikern und Männern allgemein) nicht aus, ich kann sie aber ganz gut ab. Ich schäkere sogar für mein Leben gern. Wenn dabei einer die Grenze des guten Geschmacks übersieht, zumal beschwipst und zu fortgeschrittener Stunde, bitte, ich kann damit leben – solange mein Gegenüber mir dabei nicht zu nahe kommt. Wenn es zu dicke kommt, kann ich mich wehren, Avancen zurückweisen und deutlich sagen, wenn ich mich in meiner Professionalität nicht ernst genommen fühle.

Leider ist das Teil unseres Berufes. So, wie wir den Sommer nicht für seine Hitze geißeln, den Winter nicht für die Kälte. So wie wir es hinnehmen müssen, wenn unser Interviewpartner nicht unsere Sichtweise vertritt oder eben sich ein Politiker verhält, wie es die Masse bisher gutheißt, unterhaltsam und spannend findet.

Was eine Journalistin allerdings niemals hinnehmen sollte ist, wenn ihre persönlich erfahrene Belästigungssituation zum Aufmacher wird. Oder hätte das Portrait ohne die Szene in der Hotelbar und das Klischee der jungen Dame, die vom ekligen alten Knacker belästigt wird eine ähnlich verkaufsfördernde Wirkung gehabt?
Wann haben Sie, Frau Himmelreich, oder ihre Kolleginnen ihren Chefredakteur auf die ekligen, anzüglichen Männer hingewiesen, denen sie täglich begegnen und in wie vielen Themenkonferenzen scheiterten sie an Chefredakteuren, die dieses Thema nicht ins Blatt heben wollten?

Populismus geht uns alle an

Wie auch immer diese Diskussion in Fahrt gekommen ist: endlich ist sie da. Schuldig im Sinne der Anklage #Aufschrei und #Scham sind jedoch weit mehr Menschen, als nur Herr Brüderle. Schuldig sind diejenigen, die schweigen ebenso wie diejenigen, die applaudieren.

Populismus geht uns alle an – egal ob beim Beispiel Sexismus, zu dem zu viele Schweigen und zu viele applaudieren oder beim Beispiel „Multi-Kulti“, das sicherlich in Kürze wieder in vielen Bierzelten und sonstigen Runden für tot und gescheitert erklärt wird.

Update: 02.02.2013
Heute kam mir via Twitter ein sehr lesenswerter Beitrag zur #Aufschrei Debatte unter.
Viel Spaß beim Lesen & Teilen!

Veröffentlicht unter Medienkritik, Presse | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Kleine Nachhilfestunde für das Social-Media-Team der Bahn

“Der Zugchef hat dann alle ohne Platzreservierung (für den ausgefallenen Zug) aus dem Zug gebeten, wenn dieser Bitte – insbesondere Bundeswehrangehörige – nicht nachgekommen würde, käme die Bundespolizei um den Zug zu räumen.”

Das Zitat stammt aus dem Posting einer Offizier-Jahrgangskameradin  an die Facebook-Seite der Deutschen Bahn. Sie ist selbst im Kommunikationsbereich für die Bundeswehr tätig.

Das spannende in der Diskussion sind die Schlüsse, die das Social Media Team der Deutschen Bahn zieht und warum sie das Verhalten des Zugpersonals für angebracht halten:
Großkundenrabatt

 

Sicherlich: die Bundeswehr bucht über die Dienstleistungszentren oft Fahrkarten für Dienstreisen. Regelmäßig und bei einem Unternehmen mit 180.000 bis 250.000 Mitarbeitern kommen da schon einige Summen zusammen – meint zumindest die Bahn. Erinnere ich mich aber an meine Bundeswehrzeit zurück, habe ich diesen Service genau einmal in Anspruch genommen – eine unvorhersehbare Rückreise von einer Übung aufgrund eines Todesfalls in der Familie.

Zu Lehrgängen hat es sich meistens empfohlen, mit dem Auto anzureisen. Bundeswehrstandorte habe ich schon zu meiner aktiven Dienstzeit meist als “schwer erreichbar” empfunden. Insbesondere an Wochenenden mit Bus und Bahn einen Standort zu erreichen macht wirklich keinen Spaß.

Wie oft erhält ein Zeitsoldat eine rabattierte Fahrkarte?

Auf meinen Bahnreisen fallen mir aber regelmäßig Freitags und Sonntags Kameraden in Uniform auf. Doch bei denen handelt es sich in der überwiegenden Zahl um Wochenendheimfahrer und ganz normale Pendler. Der Anteil derer, die wirklich mit einer Großkundenfahrkarte unterwegs sind, beschränkt sich auf Soldaten, die zu Lehrgängen an- oder abreisen oder zu den FWDL-Soldaten zählen.

Auch für Familienheimfahrten stellen Dienstleistungszentren mitunter Fahrkarten aus. In der Regel steht Soldaten bei Lehrgängen, die über mehrere Monate gehen alle zwei Monate eine solche Fahrkarte zu. Diese Karte läuft dann auf ein Großkunden-Rabatt-Konto der Bundeswehr.

Ob der Dienstherr den gering-verdienenden Mannschaftssoldaten noch eine Fahrkarte für die Wochenendheimfahrten spendiert, ist den Seiten der Bundeswehr leider nicht zu entnehmen. Bundesweit gab es 2012 rund 13.500 Bundeswehrsoldaten mit dem Status FWDL – ein Überbleibsel aus Zeiten der Wehrpflicht. Kurzzeitdiener bis 2 Jahre wäre mittlerweile der zeitgemäßere Ausdruck.

Hier mal ein Einblick, wie das Gehalt dieser Gruppe bemessen ist:

FWDL-Wehrsold

Nicht wenige dieser Soldaten sind mehrere hundert Kilometer entfernt vom Heimatort eingesetzt – in unserem Facebook-Fall reisen die zum Verlassen des Zuges aufgeforderten Soldaten in einem Regionalexpress bzw. ICE und sind vermutlich von Würzburg zu einem Standort bei Fulda oder auch Kassel unterwegs.

Wieviele Corporate-Card-Nutzer in Uniform im Zug waren, lässt sich weder für die Bahn, noch für mich mit Sicherheit sagen. Wenn es mehr als zehn oder zwanzig wären, würde es mich jedoch sehr wundern.

Ich will den Kameraden auch nicht zu nahe treten, aber ich denke nicht, dass ihr Verlassen des Zuges die Beförderungsprobleme der Bahn auch nur annähernd lösen könnte. Das schaffen nicht einmal Soldaten.

An dieser Stelle soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass sich die Mitarbeiterin des Social-Media-Teams mittlerweile entschuldigt hat:
Entschuldigung

Liebe Bahn,
bei Frost und bei zu spätem Fahren,
da hilft auch kein Sortiergebahren,
am Bahnsteig friern wir alle gleich.

Es grüßt ein Kunde!

Veröffentlicht unter Bundeswehr | 3 Kommentare

Blickwende: Reisen ins Unruheland

Ferne Länder – ferne Konflikte. Die Kategorie “Blickwende” ist der Versuch die Dimensionen näher zu bringen, indem sie nach Deutschland verlagert werden.

Der Artikel “Reisen ins Unruheland” erschien am 07.12.2012 in der Zeitung „Der Tagesspiegel“. In dieser Version habe ich Ägypten durch Deutschland ersetzt. Darüber hinaus auch die ägyptischen Städte durch deutsche Städtenamen. Zusätzlich ist der Beitrag um einen Anteil mit Nachbarländern und dem Einsatz von Sicherheitskräften ergänzt. Dieser Beitrag ist fiktional und enthält keine Kritik an der Redaktion oder den genannten TV-Sendern. Ob und wie diese Änderung des Blickwinkels wirkt – urteilen Sie selbst:

 

Reisen ins Unruheland

Deutschland ist als Reiseziel international beliebt. Wirken sich die Unruhen in Berlin und anderen Städten auf den Tourismus aus?

Von den gewaltsamen Auseinandersetzungen in Deutschland sind die Touristenzentren nach Einschätzung des Internationalen Reiseverbandes (IRV) nicht betroffen. Derzeit gebe es für die Reisebranche deshalb keinen Anlass, Pauschalreisen dorthin abzusagen.
Die Internationale Gemeinschaft verschärfte allerdings am Donnerstag ihre Sicherheitshinweis. In bestimmten Teilen des Landes sei die Sicherheitslage „unübersichtlich und unstet“.

Aktuell warnt die Internationale Gemeinschaft vor Demonstrationen an diesem Freitag in Berlin sowohl am Brandenburger Tor, als auch in Zehlendorf, „bei denen ein gewalttätiger Verlauf zu befürchten ist“. Bei der Fahrt zum Internationalen Flughafen seien diese Bereiche „unbedingt zu meiden“. Es sollten, heißt es weiter, „ausreichend Zeitpuffer eingeplant werden, weil der Unruheherd am Reichstag und im Regierungsviertel so nah ist, dass es im gesamten Innenstadtbereich zu Behinderungen kommen könnte.“

Rund um den Reichstag und das Kanzleramt hat die Bundeswehr die Bannmeile mit Straßensperren gesichert. Grundsätzlich rät die Internationale Gemeinschaft nach wie vor dringend, Menschenansammlungen und Demonstrationen weiträumig zu meiden. Außer in Berlin würden die Unruhen auch in anderen Städten wie Frankfurt, Köln, Hannover und Stuttgart anhalten. Auch aus München, weiter im Süden Deutschlands, wird von Demonstrationen christlicher Hardliner berichtet.

HUI, das nach eigenen Angaben führende Reise- und Freizeitunternehmen weltweit, hat bislang keine Reisen abgesagt. Auch Stornierungen gebe es nicht, sagte eine Sprecherin der Redaktion. Zwar habe der Deutschlandtourismus noch nicht wieder das Höchstniveau von 2008, also vor Beginn der Eurokrise, erreicht. Doch es gebe einen Aufwärtstrend. Mehr als 90 Prozent der Deutschlandreisen gingen in die Küstengebiete und nach Hamburg, wo es keine Unruhen gebe. Die Internationale Gemeinschaft weist darauf hin, dass die Lage in den Nachbarländern Belgien und den Niederlanden weiterhin angespannt bleibt.

dlü/ipa

Zwischen den Fronten

Bei den Protesten in Berlin stehen auch die großen Nachrichtensender zwischen den Fronten: Während die Reporter des öffentlich rechtlichen Rundfunks am Donnerstag live einen Bericht absetzen wollte, versuchten ihn Merkel-Anhänger durch Rufe „ARD ist frei, ZDF raus, raus!“ davon abzubringen. Die ARD wurde nach dem zweiten Weltkrieg unter Koordination der Besatzungsmächte aufgebaut. Das ZDF entstand wenige Jahre später und gibt Merkel-Kreisen mehr Raum.

Dieser Text ist fiktional und beinhaltet keine Kritik an den genannten deutschen Redaktionen.

Veröffentlicht unter Ägypten, Blickwende | Verschlagwortet mit , , , , , , | 2 Kommentare

Die Leiden des jungen Social Media Redakteurs

Montag: Eigentlich fängt die Woche gut an. Spätschicht – ich kann ausschlafen. Der erste Blick auf Twitter macht die gute Laune zunichte. Die gesamte Timeline beschwert sich über das abrupt beendete Wochenende. Mein Bedürfnis nach sozialer Integration siegt und ich stimme in den Chor der Montags-Verflucher ein. Bis zum Abend kann mich selbst die Tatsache Feierabend nicht mehr aufheitern. Ob es bereits ein Krankheits-Kürzel für eine netzbedingte Montags-Depression gibt?

Dienstag: Arzttermin. Meine Kopfschmerzen sind nicht schön. Vermutlich brauche ich eine neue Brille. Der Augenarzt diagnostiziert ein leichtes Schielen. Zum Spätdienst in der Redaktion schiebe ich die Monitore ein wenig auseinander. Ich glaub, das löst das Problem vorerst. Ist auch günstiger, als eine neue Brille.

Mittwoch: Mein Nacken ist verspannt – der Termin beim Orthopäden auch schon seit langem gemacht. Ich soll meine Tätigkeit am Arbeisplatz und die dazu gehörigen Bewegungen beschreiben. Brauche quasi nur den rechten Arm samt Maus-Hand. Der Doc verordnet mir Blickwendungen. Einfach regelmäßiger den Kopf bewegen.
Ich lege am Arbeitsplatz das iPad jetzt rechts außerhalb meine Blickfeldes ab und checke dort die eMails.

Donnerstag: Die Kollegen beschweren sich, dass ich nicht auf E-Mails reagiere. Fein. Das mit dem iPad wird meinen Nacken wohl auch nicht entspannen. Ich beschließe am Abend Laufen zu gehen.

Freitag: Muskelkater und Wadenkrämpfe. Das Laufen war ein Desaster. Via Twitter hat ein Witzbold einen Shitstorm gestartet und dazu aufgefordert, mich über meine Lauf-App anzufeuern. Dieser fiese Haufen aus Bits und Bytes postet Geschwindigkeit und Strecke in die sozialen Netzwerke und natürlich die Anfeuerungsklicks direkt als Applaus auf die Kopfhörer. 17 Likes und 22 Fav-Stars später hat mich die Euphoriewelle an die Halbmarathon-Grenze gebracht. Für den ersten Trainingstag eine deutliche Überforderung. Ich setzte mein Nutzerprofil umgehend auf Privat. Wer will schon angefeuert werden.

Samstag: Einen SMS-Daumen hatte ich nie. Allerdings bemerke ich nun die Auswirkungen von Whats-App. Staune ein wenig über meinen seidenweichen Daumen. Smartphone- und Tablet-Displays sind wohl sehr hautfreundlich. Auf dem Weg nach Haus dann aber plötzlich stechende Schmerzen im Handgelenk. In der Notaufnahme diagnostziert der Arzt eine Sehnenscheidenentzündung. “Wundert uns nicht!”, heißt es am Abend im Freundeskreis. “Bist wohl schon zu lange Single!” Haha … kein Mitleid oder gar Verständnis dafür, dass ich unter einer Berufskrankheit leiden könnte.

Sonntag: Ich habe einen veritablen Online-Kater – kein Bock auf Internet und Online sein. Als Alternative hole ich ein Buch aus dem Schrank. Es handelt von “Digitaler Demenz”. Schon nach wenigen Seiten beschleicht mich das Gefühl, ich könne gefährdet sein, dieser Krankheit zum Opfer zu fallen. Gleich morgen mach ich einen Termin beim Psychiater. Diese Hypochondrie-Neigung ist gar nicht mehr lustig!

Veröffentlicht unter Glosse | Verschlagwortet mit , , , | 3 Kommentare