Nur Pornos, Gewalt und Mist…

Wie einst das Privatfernsehen ist das Internet bei manch einem Vertreter des Bildungsbürgertums verschrien. TV-Kanäle wie RTL (ehemals Akronym für „Rammeln, Töten, Lallen“) haben den Kampf schon hinter sich gebracht, der rund um das Internet noch längst nicht beendet ist. Egal ob Privatisierung des Fernsehens oder Digitalisierung von Inhalten: der Verdummung der breiten Masse scheint – einst, wie heute – keine Grenze gesetzt. Kai-Hinrich und sein Bruder Tim Renner zählen eindeutig nicht zu dieser Sorte von Skeptikern.

„Digital ist Besser“ arbeitet die Medienerfahrungen der Brüder auf. Geboren 1962 und 1964 sind sie Stellvertreter einer Generation, die nahezu die komplette Entwicklung von der analogen hin zur heute fast selbstverständlichen digitalen Welt erlebt hat.

 

Digital ist Besser - Fernab von Glorifizierung und Panikmache

Amüsiert haben mich vor allem die Parallelen, die zur heutigen Bloggerszene (so denn es eine Szene gibt) gezogen werden. Sind Blogger am Ende nur ein Abziehbild einer Jugend der frühen achtziger Jahre, die mit Begeisterung Fanzines bastelte, Kassetten aufnahmen, Platten und Musikkassetten tauschte und mittels Pop und Punk rebellierte? Kommt alles wieder? War es je weg?

Weder der Medienkonsument scheint sich wesentlich verändert zu haben, noch die Medienschaffenden. Die größten Fehler, die in der Vermarktung von digitalen Inhalten bisher gemacht wurden listen die Autoren schonungslos und ungerührt auf.
Es mutet fast an, als säßen in den höheren Etagen der Musikindustrie nur geldgeile Dummköpfe ohne ein Gespür für das Verkaufen. Kopiergeschützte CD’s, die in Computerlaufwerken nicht abgespielt werden konnten gelten spätestens seit dem Ausspruch von Topmanager Erik Nikoli „Das ist ja geradewegs so, als würde man versuchen, Kekse zu verkaufen, die man nicht essen darf.“ als antiquiert. Erik Nikoli muss es wissen. Er kam von United Biscuits zum britischen Musikkonzern EMI .

Und als sei das alles nicht genug, will wohl auch kein Downloadportal wirklich erfolgreich werden. Fehlkalkulationen rund um die digitalen Güter, verzögern bisher den Durchbruch. Einen plausiblen Grund, warum ein Album im Download den gleichen Preis hat, wie das Pendant aus Plastik mit Hardcover und Papier scheint es nur in den Etagen der Marketingstrategen zu geben.

Mit Kai-Hinrich Renner als Medienjournalist und Tim Renner als Unternehmer und Ex-Vorstandsvorsitzenden der Universal Music Group zeigen Vertreter der Konsumenten, wie auch der Verkäuferseite auf, was Verlage und Medienhäuser besser heute, als morgen begreifen müssen: den Käufer, das schier unbekannte Wesen.

Lohnenswert ist besonders das Kapitel 33 in dem Kai-Hinrich Renner die Kritik an FAZ Mitherausgeber Frank Schirrmacher nicht spart. Schirrmacher leistete sich in seinem Buch „Payback“ offensichtlich Schwarzmalerei der Kategorie „Von zu viel Fernsehen bekommst du viereckige Augen“ in Bezug auf Internet und Computer, die die Menschen mit Multitasking überfordern und verdummen.
Bücher, Schallplatten, Kassetten, CD’s, DVDs – und „neuerdings“ all das in Bits und Bytes – wer den Überblick behalten will kommt um dieses Buch nicht herum.

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