IRONIE ON: Hurra! Soldaten bald endlich wieder nur Kostenfaktor! IRONIE: OFF

Stellt euch einmal vor, das Haus eures Nachbarn brennt. Der Dachstuhl steht lichterloh in Flammen. Ihr greift zum Telefon … Der gesunde Menschenverstand lässt euch die Nummer der Feuerwehr anrufen und ihr eilt vermutlich schon einmal selbst los, um Menschen in dem Nachbarhaus zu warnen – was man eben so macht, wenn es darum geht, diese Notlage zu bewältigen.

So – oder so ähnlich lief es auch in Bezug auf den Umgang mit einsatzbelasteten Soldaten. Presse- und öffentlichkeitswirksam wurde General Munzlinger zum PTBS-Beauftragten berufen und bewerkstelligte in seinem ersten Jahr zumindest eine Bestandsaufnahme, wie sich der Kriegseinsatz in Afghanistan auf die Psyche der Soldaten auswirkt und wie im Anschluss mit den Veteranen umgegangen wird.

Eine engagiert durchgeführte und von den Soldaten anerkannte Sammlung von Fakten. Etwa zwei Prozent der Soldaten kehren mit einer Belastungsstörung zurück. So zumindest der Eindruck, den Welt-Online im vergangenen Jahr in der Berichterstattung vermittelte.

„Danke ,Herr Munzlinger, Well Done, Kamerad! Wegtreten!“

Wie es zugeht, wenn ein Soldat versucht, eine PTBS-Belastung feststellen zu lassen und wie sich „das System Bundeswehr“ windet, um keine kostenintensiven Fakten zu schaffen decken Veteranen der Einsätze mittlerweile in Buchform auf. Egal, ob im Rang eines Oberstleutnant a.D. oder eines Mannschaftsdienstgrades – die Anschuldigungen gehen in dieselbe Richtung:

„Allein gelassen – zum Verwaltungsfall erklärt – treu gedient, tapfer verteidigt und belohnt mit HARTZ4“

Auch Munzlinger gelangt laut Welt.Online zu dieser Einschätzung, über ein System, das als prinzipiell funktionsfähig dargestellt wird :

„Er kritisiert aber auch deutlich die „starr gehandhabten bürokratischen Verfahren“ und eine unzureichende personelle Ausstattung des Sanitätsdienstes. „Die deshalb erfolgende Beauftragung von circa 20 zivilen Außengutachtern wird der Sachlage nicht immer gerecht“, heißt es im Bericht.

So wackelig diese Personalentscheidung auch ist (Thomas de Maizière (CDU) will diese Entscheidung laut Welt online noch einmal prüfen): sie spiegelt wieder, was im Ministerium wohl grundlegend verkehrt läuft. Auch Ulrike Demmer vom Spiegel deckte auf, welche internen Abläufe die Soldaten im Einsatz einer Gefährdung aussetzen. Ihr  griffiges Beispiel “Berlin, Bendlerblock, Raum 6108″ beschreibt, wie handlungsunfähig „Hardthöhe und Bendlerblock“ im gemeinsamen Projekt „Bundeswehr“ sind. Offenkundig mehr mit dem Kampf untereinander beschäftigt, als mit dem Kampf der aktiven Soldaten in Afghanistan oder dem der Veteranen zurück ins Leben.

„Im ewigen Kampf zwischen Beamten und Soldaten ist die Runde dieses Mal an die Soldaten gegangen. Der Beamte Reifferscheid ist zum Stellvertreter degradiert. Ein Soldat ist jetzt sein Boss.“

Nun wird im Fall PTBS offen darüber nachgedacht, den Soldaten Munzlinger aus dem Amt zu nehmen und durch die momentan wohl „aufgabensuchende“ Sabine Bastek zu ersetzen.

“Es brennt! Ruft bitte mal jemand … ja, wen denn bloß ??”

Werte Frau Bastek, bitte nehmen sie es mir nicht übel, aber wenn es brennt, dann brauche ich die Feuerwehr. Wenn ich vor den Trümmern meines Hauses stehe, dann einen Seelsorger und Leute, die mir wieder auf helfen. Schnell, ohne lange Fragen und mit dem Ziel Effektivität. Dies traue ich – und womöglich auch viele Soldaten – hauptsächlich den einsatzerfahrenen Kameraden jederzeit zu.

Was ich in einer solchen Situation sicherlich nicht will, ist ein Wirtschaftsberater, Steuerprüfer oder Finanzbeamten, der vorrechnet, dass das alles ja gar nicht so schlimm sei und bald wieder in Ordnung käme.

Update 19:50 Uhr:

Um eine neue Interviewform auszuprobieren habe ich diesen Artikel an die Facebook-Pinnwände einiger mit dem Thema “Soldaten und Auslandseinsätze” befassten Mitgliedern des Bundestages gepostet.  Darunter auch Roderich Kiesewetter, MdB und Präsident des Verbands der Reservisten der Deutschen Bundeswehr gestellt.

Der Text der Anfrage ist nahezu identisch:

Sehr geehrter Herr …  ihre Pinnwand als Auftakt für ein Interview / Streitgespräch. Was halten sie von der bisher unbestätigten, wohl aber geplanten Personalveränderung auf dem Posten des PTBS-Beauftragten. 

Gibt es Posten im Verteidigungsministerium, die zwingend mit einsatzerfahrenen Soldaten besetzt sein sollten?

Im Folgenden die Liste der  Angeschriebenen. Antworten, Reaktionen und Statements übernehme ich dann gern hier in den Blog.

Namensliste der bisher angefragten Interviewpartner:

Roderich Kiesewetter (Pinnwand)  

 

 

 

Verteidigungsausschuss

Rainer Arnold (Post momentan auf der Wand nicht sichtbar)

Harald Koch (per Facebook-Message)

Inge Höger (per Facebook-Message)

Omid Nouripour (Pinnwand)

Rainer Erdel (Pinnwand)

Agnieszka Brugger (per Facebook Message)

Ernst-Reinhard Beck (per Facebook Message)

Reinhard Brandl (Pinnwand)

Michael Groschek (per Facebook-Message)

Jürgen Hardt (Pinnwand)

Susanne Kastner (Facebook-Message)

Henning Otte (Facebook-Message)

Lars Klingbeil (Pinnwand, Rückmeldung Team)

Paul Schäfer (Facebook-Message)

Christoph Schnurr (Facebook-Message)

Joachim Spatz (Pinnwand, Rückmeldung, bittet um eMail-Anfrage an Bundestags-Account)

Aus den Angaben “Pinnwand / Message” sollten keine Schlüsse gezogen werden. Da ich noch nicht alle Mitglieder des Verteidigungsausschusses in einer der “Freundeslisten” habe, ist mir auch nicht jede Pinnwand für einen offenen Disput zugänglich.
In den Anfragen habe ich mich  auf Facebook und den genannten Personenkreis beschränkt. Sofern ihr weitere relevante Interviewpartner seht, bitte ich um einen kurzen Hinweis per Kommentarfunktion.

Update: 18.12.2011 – 14:45 Uhr

Das Kernthema diese Artikels kollidiert nun in den Suchmaschinenrankings zwangsläufig auch mit der letzen Sendung von “Schlag den Raab” . Mein ehemaliger Kompaniechef – lang, lang ist’s her – wird gerade zur Zielscheibe von Hohn und Spot – hoffe mal, Oliver, dass das gut ausgeht.

Weitere Überlagerungseffekte dürfte momentan der “Sturm im Wasserglas” rund um die “illegale Kneipe in der Spandauer Kaserne” erzielen. Sei es drum – lässt sich ja auch für Suchmaschinenoptimierung nutzen. Hoffe, die Frage dieses Artikels geht dennoch nicht unter.

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11 Responses to IRONIE ON: Hurra! Soldaten bald endlich wieder nur Kostenfaktor! IRONIE: OFF

  1. Pingback: Daniel Lücking

  2. schneller und wirksamer gehts per http://www.abgeordnetenwatch.de/ – die Öffentlichkeit dort ist sehr interessiert an Politik!

    • :-) CR (-: sagt:

      Danke für den Hinweis!
      Bitte nicht davor scheuen, den Link auf diesen Artikel zu Teilen und auf das Thema aufmerksam zu machen.
      Auch Thomas Wiegold hat die Kernfrage übernommen und sorgt damit für die Verbreitung.
      Danke auch an dieser Stelle!

      • :-) CR (-: sagt:

        Auch im Spiegel erscheint heute eine Meldung zum Thema.
        Die geplante Personalie erscheint hier schon als beschlossen.

        17.12.2011 Heftankündigung Spiegel

        Anmerkung zur Methodik dieses Artikels:

        Ziel der Pinnwandanfragen ist ist auch eine transparentere Arbeitsweise im Journalismus.
        Leser haben zu jeder Zeit die Möglichkeit, in das Interview einzusteigen und sorgen so (im Idealfall) für mehr Relevanz.
        Insgesamt kommt es auch nicht auf Tempo an. Die Antwortzeiten auf Postings sind aus meiner Sicht kein zuverlässiger Indikator für die Qualität der Antwort.

        Einzelne Mitglieder des Verteidigungsausschusses hatte ich bisher nicht im Facebook-Kontaktkreis (Freundesliste ist mir gerade zu wertend, obwohl formal korrekt).
        Bei den Mitgliedern, die jetzt die Kontaktanfragen beantworten poste ich die Frage erneut auf die Wand. Vereinzelt melden sich auch Teams, die die Betreuung der Facebook-Seiten inne haben – nimmt der Diskussion etwas an Dynamik, aber darauf kommmt es nicht an.

        Die Leser sind herzlich eingeladen, die verlinkten & zugänglichen Seiten als Diskussionsraum zu nutzen.

  3. ;-) sagt:

    Ursula Mogg
    Mitglied im Verteidigungsausschuss
    stellvertretende verteidigungspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion
    würde ich auch mal anposten

    • Daniel Lücking sagt:

      Danke für den Hinweis. Im Aufbau dieses Artikels habe ich mich nach den Angaben im Foto-Slider zum Bundestagsausschuss auf Bundestag.de orientiert. Stellvertreter habe ich nicht angeschrieben. Weder dort, noch in der Mitgliederliste ist Frau Mogg aufgeführt.
      Ihre persönliche Homepage legt nahe, dass sie im Verteidigungsausschuss ist.

      Letztlich ist aber die Angabe auf der Bundestagsseite ausschlaggebend. Und da sie auch auf der Fraktionsseite der SPD nicht in der Bundestagsfraktion gelistet ist, dürfte wohl auf ihrer Homepage die Angabe fehlen, in welchem (abgeschlossenen) Zeitraum sie als Mitglied im Verteidigungsausschuss saß.

      • Daniel Lücking sagt:

        Themenentwicklung:

        Ich verzichte an dieser Stelle auf die Verlinkung ähnlich lautender Meldungen, die im wesentlichen den Inhalt des Welt-Artikels wiedergeben.

        Buntewehr.blog.de ist ebenfalls an dem Thema dran und fragt nach der undichten Stelle im Ministerium.

        Aspekte in Punkto Gleichberechtigung werden unter anderem hier diskutiert.

        Und – zumindest, wenn ich auf Backlinks und Referrer vertrauen darf- auch femokratie.com hat einen Artikel in der Mache.

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