Glosse: Berufliche Flexibilität wird verlangt

Glosse

Ich weiß nicht, werte Leser, warum sie sich bei manchen Politiker-Ideen so die Haare raufen.

Zuletzt stand Bundesfamilienministerin Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen in der Kritik. Hatte sie doch einfach den in Kürze mit Karrierechancen ausgestatteten Schlecker-Damen empfohlen in die Kinderbetreuung oder die Altenpflege zu gehen.

Berufliche Flexibilität ist heut zu Tage einfach alles. Doch längst nicht jeder ist dazu bereit. Gute Vorbilder finden wir allerdings ausnahmslos auf der Ebene der Staatsbediensteten. Schon nach dem Mauerfall wurde deutlich, wie flexibel besonders ostdeutsche Arbeitnehmer sind.

Nahtlos wechselten viele Soldaten der NVA zur Bundeswehr und offenkundig – aber das ist nicht durchgängig dokumentiert – viele Stasi-Mitarbeiter zur GEZ. Sie müssen einfach nur die Gemeinsamkeiten in den Jobanforderungen entdecken oder auch mal bereit sein neue Wege zu gehen.

Ich bin mir sicher, dass wir den ein oder anderen GEZ Mitarbeiter nach der anstehenden Umstrukturierung dann bei Schufa oder beim Dienst in Haftanstalten wieder treffen werden. Musterkarrieren eigenen sich da sicher auch  für die Übernahme als Berater in Jobcentern.

Vom Top-Bänker zum Bundespräsidenten und dann ab auf’s wohlfinanzierte Altenteil – oder zurück in die Kanzlei aus der sie gekommen sind. Nein, wertes Arbeitsvolk, der Fisch stinkt dieses Mal ausnahmsweise nicht vom Kopf! Unsere Politiker wissen, dass es geht!

Der Schritt raus aus dem Kanzleramt und rein in die russische Energiewirtschaft kann da zur Not dann auch mal einen Nebenjob erfordern. Wie wäre es als Fahrbegleiter einsamer Frauen zu später Abendstunde?

Und wenn es sein muss, rackert sich auch ein ausgeschiedener Ministerpräsident auf dem Bau ab. Keine dicke Lippe riskieren, sondern Macher sein! Sehr lobenswert!

... ein kleiner Nebenjob im IT-Bereich oder doch zu einem neuen Staatsbetrieb?

Auch die Ämter unterhalb  dieser Ebene bieten  Karrieremöglichkeiten. Vom Verteidigungsminister in den Hauptberuf Sohn – sein wir ehrlich, es gibt Arbeiten, die müssen einfach gemacht werden. Auch wenn’s noch so schwer fällt.

Weise ist da auch unser Bundesentwicklungsminister – sein Potential steckt ja schon im Namen. Noch vor einer angedachten Veränderung im Job schafft er sich ein neues Standbein als Teppichimporteur.

Lieber Leser, schulen Sie endlich um, anstatt nur auf der Couch zu sitzen und zu erwarten, dass dies bis zum Lebensende so bleiben wird. Seien sie flexibel.

Heute Tankstellenbediensteter – morgen schon Ölmagnat oder Biobauer – Grenzen gibt es da doch nur in ihrem Kopf. Und wenn ihnen die Ideen fehlen: fragen sie unsere Politiker!

 

Entstanden im Rahmen der Textwerkstatt,

Sommersemester 2012

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