Ein Shitstorm ist eine Welle öffentlicher, meist empörter Kritik an einem Unternehmen, einer Organisation oder einer Person in sozialen Netzwerken, oft innerhalb weniger Stunden. Der Begriff wurde 2011 zum „Anglizismus des Jahres“ gewählt. Für Unternehmen gilt: schnell reagieren, ehrlich sein, Verantwortung übernehmen, wo sie berechtigt ist, und nicht löschen, was nur unbequem ist.
Wie ein Shitstorm entsteht
Auslöser sind meist eines dieser Muster:
- Fehlverhalten oder Fehler: ein Produktproblem, schlechter Service, ein Datenleck.
- Missglückte Kommunikation: ein unbedachter Post, eine Werbung, die als verletzend empfunden wird, eine flapsige Antwort.
- Werte-Konflikt: Eine Entscheidung des Unternehmens wird als Widerspruch zu dem empfunden, wofür es sonst steht.
- Verbreitung durch Dritte: Ein reichweitenstarker Account greift ein Thema auf, oder es entsteht ein Meme. Wie schnell sich solche Inhalte verbreiten, beschreibt der Beitrag über Memes im Medienkonsum.
Die ersten Stunden: Sofortmaßnahmen
- Lage erfassen: Was genau wird kritisiert, wo, von wem, wie schnell wächst es?
- Geplante Beiträge stoppen: Automatisch veröffentlichte Werbeposts wirken in der Krise verheerend.
- Krisenteam zusammenrufen: Social Media, Kommunikation, Geschäftsführung, gegebenenfalls Rechtsberatung.
- Erste Reaktion veröffentlichen: Auch wenn noch nicht alles geklärt ist: „Wir haben die Kritik gesehen, prüfen den Fall und melden uns bis …“
- Fakten klären: Was ist tatsächlich passiert? Was können Sie belegen?
- Ausführliche Stellungnahme: klar, ohne Floskeln, mit konkreten Maßnahmen.
Was eine gute Stellungnahme ausmacht
- Sie benennt das Problem in eigenen Worten statt es kleinzureden.
- Sie entschuldigt sich, wo ein Fehler vorliegt, ohne „falls sich jemand verletzt fühlt“.
- Sie erklärt, was jetzt passiert und bis wann.
- Sie kommt von einer erkennbaren Person oder der Unternehmensführung, nicht nur vom anonymen Account.
- Sie ist auf allen betroffenen Kanälen auffindbar.
Fehler, die alles schlimmer machen
- Schweigen in der Hoffnung, dass es vorbeigeht.
- Sachliche Kritik löschen oder Nutzer blockieren.
- Mit Ironie, Gegenangriffen oder juristischen Drohungen reagieren.
- Widersprüchliche Aussagen auf verschiedenen Kanälen.
- Weitermachen, als wäre nichts, inklusive Werbung im Feed.
Vorbereitung auf den Ernstfall
Die beste Krisenkommunikation beginnt vor der Krise. Hilfreich sind:
- Krisenplan: Wer entscheidet, wer formuliert, wer gibt frei, wie sind alle erreichbar, auch am Wochenende?
- Monitoring: Erwähnungen der Marke beobachten, um Entwicklungen früh zu erkennen.
- Netiquette und Moderationsregeln: Grundlage für Entscheidungen, mehr dazu im Beitrag zum Community Management.
- Vorlagen für erste Reaktionen: zur schnellen Anpassung, nicht zum Kopieren.
- Risiken in der Planung prüfen: Kampagnen vor dem Start von Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven gegenlesen lassen. Das gehört in jede Social-Media-Strategie.
Nach dem Shitstorm
Werten Sie aus, was passiert ist: Was war der Auslöser, was hat geholfen, was nicht? Setzen Sie angekündigte Maßnahmen sichtbar um und berichten Sie darüber. Viele Unternehmen gewinnen nach einer gut geführten Krise sogar Vertrauen, weil sie gezeigt haben, dass sie zuhören.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Shitstorm?
Das ist sehr unterschiedlich. Viele Empörungswellen flauen nach einigen Tagen ab, andere ziehen sich hin, vor allem wenn klassische Medien berichten oder das Unternehmen ungeschickt reagiert.
Sollte man in einem Shitstorm Kommentare löschen?
Sachliche Kritik zu löschen, verschärft die Lage fast immer. Entfernen Sie nur Beiträge, die gegen Ihre Netiquette oder Gesetze verstoßen, und begründen Sie das transparent.
Woran erkennt man, ob ein Shitstorm entsteht?
Typische Anzeichen sind eine plötzlich steigende Zahl negativer Kommentare und Erwähnungen, ähnliche Vorwürfe von vielen verschiedenen Accounts und das Teilen über die eigene Community hinaus.